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Schafwolldecke.de Wolle, die wärmt

Materialkunde

Schafwolle als Material

Wolle wärmt nicht, weil sie dick ist, sondern weil sie gekräuselt ist. Diese Kräuselung schließt Luft ein, und Luft ist der beste Dämmstoff, den es umsonst gibt.

Merle betrachtet einen Korb mit Wollknäueln und einer Handspindel

Wie eine Wollfaser aufgebaut ist

Eine einzelne Wollfaser besteht aus einem Kern und einer äußeren Schuppenschicht, die wie Dachziegel übereinanderliegt. Diese Schuppen sind der Grund für fast alle Eigenschaften, die Wolle zugeschrieben werden, im Guten wie im Schlechten.

Sie stoßen Wasser in Tropfenform ab, lassen Wasserdampf aber durch. Deshalb perlt Regen von einer Lodenjacke ab, während Schweiß nach außen wandert. Und sie verhaken sich, wenn Wärme, Feuchtigkeit und Reibung zusammenkommen. Genau das ist Filzen, und deshalb darf eine Wolldecke nicht in den Trockner.

Die Kräuselung macht die Wärme

Wollfasern wachsen nicht gerade, sondern wellig. Bei feiner Merinowolle zählt man bis zu vierzig Bögen auf einem Zentimeter, bei grober Landschafwolle deutlich weniger. Zwischen diesen Bögen sitzt stehende Luft, und stehende Luft leitet Wärme schlecht. Das ist das ganze Prinzip.

Daraus folgt etwas, das der Intuition widerspricht: Eine schwere Decke ist nicht zwangsläufig wärmer als eine leichte. Entscheidend ist, wie viel Luft im Gewebe steckt, nicht wie viel Material. Eine aufgeraute Decke mit 600 Gramm je Quadratmeter kann wärmer sein als eine glatt gewebte mit 800.

Lanolin, das Wollfett

Am rohen Vlies hängt Wollfett, das die Schafe selbst produzieren. In der Verarbeitung wird es zum größten Teil ausgewaschen, ein Rest bleibt aber in der Faser, und dieser Rest leistet einiges.

  • Er hält Schmutz davon ab, sich festzusetzen.
  • Er wirkt leicht antibakteriell, weshalb Wolle auch nach Tagen nicht müffelt.
  • Er sorgt für den typischen Geruch neuer Wolldecken.

Je weniger die Wolle gewaschen wurde, desto besser funktioniert die Selbstreinigung und desto deutlicher riecht die Decke am Anfang. Das ist ein Zielkonflikt, kein Qualitätsmangel. Wer den Geruch nicht mag, greift zu Merino oder zu Ware, die stärker gewaschen wurde.

Vom Schaf zur Decke

Schur

Ein Schaf wird ein- bis zweimal im Jahr geschoren und liefert dabei zwei bis sechs Kilogramm Rohwolle. Nach dem Waschen bleibt davon etwa die Hälfte übrig, der Rest ist Fett, Schweiß und Pflanzenreste.

Sortierung

Das Vlies wird nach Faserdicke und Länge sortiert. Die feinste Wolle sitzt an Schulter und Flanke, die gröbste an Beinen und Hinterteil. Für Decken wird mittlere bis feine Ware verwendet.

Spinnen und Weben

Aus den gekämmten Fasern entsteht ein Garn, aus dem Garn ein Gewebe. Wie fest gewebt wird, entscheidet über Fall und Windfestigkeit. Danach folgt je nach Bauart das Walken (verdichten) oder das Rauen (aufziehen des Flors).

Was auf dem Etikett steht und was es bedeutet

  • Schurwolle. Vom lebenden Tier, nie zuvor verarbeitet. Der Begriff ist durch die Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 gebunden, Anhang III.
  • Wolle. Kann auch aus Reißware oder von geschlachteten Tieren stammen. Nicht geschützt in dem Sinne, dass Herkunft und Vorleben offen bleiben.
  • Merino. Eine Rasse, keine Qualitätsstufe. Steht aber zuverlässig für eine feinere Faser.
  • Woolmark. Freiwilliges, lizenzpflichtiges Handelszeichen, kein gesetzlicher Nachweis. Drei Stufen: Woolmark für 100 Prozent Schurwolle, Woolmark Blend für 50 bis 99 Prozent, Wool Blend für 30 bis 49 Prozent. Wo es fehlt, sagt das nichts über die Qualität, viele Hersteller sparen sich die Lizenz.
  • Kbt. Kontrolliert biologische Tierhaltung. Sagt etwas über die Haltung, nichts über die Faserdicke.
  • Mulesing-frei. Betrifft eine schmerzhafte Praxis in der australischen Merinozucht. Bei europäischer Wolle ist die Angabe eine Selbstverständlichkeit, bei Importware nicht.

Wie lange eine Wolldecke hält

Eine gut gemachte Schurwolldecke überdauert zehn Jahre und mehr, wenn sie selten gewaschen und regelmäßig gelüftet wird. Die häufigsten Todesursachen sind nicht Verschleiß, sondern Fehler: der Trockner, zu heißes Wasser, Motten im Sommerlager.

Was Wolle dagegen gut verträgt, ist Zeit. Anders als Kunstfaser wird sie nicht spröde und verliert ihre Struktur nicht. Eine dreißig Jahre alte Wolldecke ist kein Kuriosum, sondern der Normalfall.

Und in der Praxis?

Welche Faser zu welcher Nutzung passt, mit Decken, die es tatsächlich gibt.

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Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.