Weniger ist mehr
Reinigung und Pflege von Schafwolldecken
Der häufigste Fehler bei Wolldecken ist nicht die falsche Wäsche, sondern zu häufiges Waschen. Wolle reinigt sich weitgehend selbst. Jeder Waschgang kostet Flor, Form und Lebensdauer.
Lüften statt waschen
Wollfasern sind von einer Schuppenschicht umgeben und tragen einen Rest Wollfett, das Lanolin. Beides zusammen sorgt dafür, dass Schmutz kaum haftet und Gerüche sich nicht festsetzen. In den allermeisten Fällen genügt es deshalb, die Decke an die frische Luft zu hängen.
Am besten funktioniert das bei feuchtem Wetter. Die Feuchtigkeit in der Luft löst Gerüche aus der Faser, ohne dass Wasser durch das Gewebe läuft. Ein nebliger Herbstmorgen ist dafür besser als ein sonniger Sommertag, denn direkte Sonne bleicht die Farbe aus und macht die Faser spröde.
Wie oft? Bei täglicher Nutzung auf dem Sofa reicht einmal im Monat. Eine Decke, die nur abends benutzt wird, kommt mit zwei bis drei Mal im Jahr aus.
Flecken entfernen
Bei einem frischen Fleck zählt Geschwindigkeit mehr als Chemie. Nimm ein weißes, leicht feuchtes Tuch und tupfe von außen nach innen. Nicht reiben: Reibung ist genau das, was Wolle verfilzen lässt, und ein verfilzter Fleck geht nicht mehr weg.
- Wasserlösliche Flecken wie Kaffee, Tee oder Saft mit klarem, kaltem Wasser abtupfen. Warmes Wasser fixiert Eiweiß und Zucker in der Faser.
- Fettflecken zuerst trocken behandeln: Kartoffelmehl oder Speisestärke aufstreuen, einige Stunden ziehen lassen, ausbürsten. Erst danach feucht nacharbeiten.
- Rotwein sofort mit einem trockenen Tuch aufsaugen, dann mit Mineralwasser tupfen. Salz zieht die Farbe tiefer in die Faser statt sie herauszuholen.
Bleibt ein Rand, hilft ein Tropfen Wollwaschmittel in kaltem Wasser. Danach mit klarem Wasser nachtupfen, sonst bildet die Seife einen neuen Rand.
Waschen, wenn es sein muss
Zuerst das Etikett lesen. Manche Decken vertragen das Wollprogramm der Maschine, andere ausschließlich Handwäsche. Wenn nichts dransteht, gilt die vorsichtigere Variante.
In der Maschine
- Wollprogramm oder Handwäscheprogramm, kalt bis maximal 30 Grad
- Wollwaschmittel, niemals Vollwaschmittel. Die Enzyme darin greifen die Faser an.
- Kein Weichspüler. Er legt sich auf die Faser und nimmt der Wolle genau die Eigenschaften, für die man sie kauft.
- Schleudern höchstens bei 600 Umdrehungen, besser gar nicht
- Die Trommel nicht vollpacken. Eine Decke allein waschen, sonst reibt sie sich an der übrigen Wäsche wund.
Von Hand
Wanne mit kaltem bis lauwarmem Wasser füllen, Wollwaschmittel einrühren, die Decke hineinlegen und nur drücken, nicht kneten. Zwanzig Minuten reichen. Danach mehrfach mit klarem Wasser gleicher Temperatur spülen. Ein Temperaturwechsel zwischen Waschen und Spülen lässt Wolle einlaufen, das ist der zweithäufigste Fehler nach dem Trockner.
Zum Herausheben die Decke zusammenschieben und mit beiden Händen stützen. Nasse Wolle wiegt ein Vielfaches, und wenn sie am Rand hängend hochgezogen wird, zieht sich das Gewebe unwiederbringlich lang.
Trocknen
Ausgebreitet auf einem Handtuch, liegend, fern von Heizkörpern und direkter Sonne. Auf der Wäscheleine zieht das Eigengewicht die nasse Decke in die Länge, und diese Verformung bleibt.
Der Trockner ist tabu. Hitze und mechanische Bewegung sind genau die Kombination, die Wolle verfilzen und schrumpfen lässt, und dieser Schaden ist nicht umkehrbar. Auch eine Wolltrocken-Einstellung ändert daran nur, wie schnell es passiert.
Je nach Dicke dauert das Trocknen ein bis drei Tage. Eine gewalkte Lodendecke liegt am oberen Ende. Drehe die Decke einmal täglich um, damit die Unterseite nicht muffig wird.
Verfilzen und Schrumpfen vermeiden
Beides entsteht aus derselben Ursache: Die Schuppen der Wollfaser stellen sich bei Wärme und Feuchtigkeit auf und verhaken sich, wenn Reibung dazukommt. Daraus folgen drei Regeln, die alles andere überflüssig machen.
- Keine Hitze. Kalt waschen, kalt spülen, nicht auf der Heizung trocknen.
- Keine Reibung. Nicht kneten, nicht schrubben, nicht auswringen.
- Kein Temperaturwechsel. Wasch- und Spülwasser gleich temperiert.
Pilling und lose Fasern
Kleine Knötchen auf der Oberfläche sind bei neuen Decken normal und kein Qualitätsmangel. Sie entstehen, wenn kurze Faserenden sich lösen und verdrehen. Ein Wollkamm oder ein Fusselrasierer entfernt sie, und nach einigen Wochen hört es von selbst auf, weil die losen Enden aufgebraucht sind.
Bei reiner Merinowolle tritt Pilling eher auf als bei Mischgeweben, weil die feine Faser sich leichter löst. Das ist der Preis für die Weichheit.
Über den Sommer lagern
Vor dem Einlagern lüften, nicht waschen. Wolle sollte trocken und luftig liegen, also im Baumwollbeutel oder Bettwäschesack, nicht in Plastik. In luftdichten Vakuumbeuteln staut sich Restfeuchte, und beim Auspacken riecht die Decke muffig.
Gegen Motten helfen Zedernholz oder Lavendel, allerdings nur vorbeugend. Sind die Larven erst im Gewebe, hilft nur Kälte: Die Decke drei Tage bei minus 18 Grad in die Gefriertruhe legen, danach gründlich ausbürsten.
Bügeln
Nein. Wärme und Druck zusammen zerstören die Kräuselung der Faser, und damit verliert die Decke Volumen und Wärmeleistung. Falten gehen von selbst heraus, wenn die Decke einen Tag lang hängt. Schneller geht es im Bad, während die Dusche läuft: Der Wasserdampf entspannt die Faser.
Kurz beantwortet
Kann ich die Decke in die Waschmaschine geben?
Nur wenn das Etikett es erlaubt. Dann Wollprogramm, kalt, Wollwaschmittel, kein Weichspüler, höchstens 600 Umdrehungen schleudern. Steht auf dem Etikett Handwäsche, dann gilt das auch.
Darf die Decke in den Trockner?
Nein. Der Schaden durch Hitze und Bewegung ist nicht umkehrbar.
Wie oft muss eine Wolldecke gewaschen werden?
Bei normaler Nutzung einmal im Jahr, viele Decken kommen auch länger aus. Lüften ersetzt den Waschgang.
Warum riecht meine neue Decke nach Schaf?
Das ist Lanolin, das natürliche Wollfett. Es verliert sich nach zwei bis drei Tagen an der frischen Luft. Bleibt der Geruch dauerhaft, wurde die Wolle wenig gewaschen, was für die Faser gut, für die Nase aber gewöhnungsbedürftig ist.
Meine Decke ist eingelaufen. Was tun?
Wenig. In lauwarmem Wasser mit einem Schuss Haarspülung einweichen, vorsichtig in Form ziehen und liegend trocknen, das holt einen Teil zurück. Verfilzte Bereiche bleiben verfilzt.
Noch keine Decke?
Schurwolle, Merino oder Loden: welche Faser zu welcher Nutzung passt.
Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.